An die 2.6er-Kernelfreunde

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An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by captaincrunch » 2004-07-23 09:54

Die aktuellen Entwicklungen zu 2.6er-Kernel dürfte recht interessant für diejenigen sein, die diese (kommenden) Version(en) "unbedingt" nutzen müssen:
http://www.pro-linux.de/news/2004/7073.html

Im Klartext:
Der 2.6er Vanilla-Kernel wird demnächst wohl mehr oder weniger als Spielwiese für Neuerungen betrachtet. Die nötige Stabilität sollen demnächst dann die Distributoren einbringen.
Für denjenigen, der seinen eigenen (aktuellen 2.6er) Kernel bauen will, weil ihm Feature XYZ im Distributionskernel fehlt bedeutet das dann wohl im einfachsten Fall erheblich mehr Arbeit.

Für mich steht daher spätestens jetzt felsenfest, dass ich auf Produktivservern auch weiterhin ausschließlich 2.4er-Kernel verwenden werde, bei denen ich sicher sein kann, dass sie entweder stabil laufen, oder ich im Falle von Anpassungen nicht erst drei Tage brauche, um zig Patches zusammenzuklauben, und die schlimmstenfalls noch händisch anpassen zu müssen.

Keine Ahnung ob Linus die kalifornische Sonne nicht mehr bekommt, aber einen solchen Schwachsinn habe ich bislang noch nicht von ihm gehört. :roll:
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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by Joe User » 2004-07-23 10:09

Naja, wenn man es genauer betrachtet, sind alle Kernel >2.4.18 Spielwiesen ;) Linus und Andrew werden schon früh genug einen 2.7-Tree anlegen...
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„If there’s more than one possible outcome of a job or task, and one
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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by floschi » 2004-07-23 10:33

Also ich finde diesen Schritt logisch (wenn ich nicht glücklich).

Wieviel Prozent der Kernelentwickler arbeiten bei Distributoren oder ähnlichen Firmen, die mit Linux ihr Geld verdienen? So schaffen die sich die Möglichkeit, eben genau in dieses Geschäftsmodell einzusteigen, während sich "die Community" nicht um etwas kümmern muss, was ein Normalanwender nicht braucht.

Ich denke dass z.B. freie Distris wie gentoo oder Debian weiterhin eben ihren Teil dazu beitragen werden, stabile Kernel anzubieten - auch ohne dafür zu löhnen.

Aber für das Enterpriseumfeld wird es eben deutlicher, dass man für ein gutes System auch Geld ausgeben muss, sei es für einen Externen Distributor, oder für internes Know-How.

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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by captaincrunch » 2004-07-23 10:37

Wieviel Prozent der Kernelentwickler arbeiten bei Distributoren oder ähnlichen Firmen, die mit Linux ihr Geld verdienen? So schaffen die sich die Möglichkeit, eben genau in dieses Geschäftsmodell einzusteigen, während sich "die Community" nicht um etwas kümmern muss, was ein Normalanwender nicht braucht.
Genau: sch... wir auf sämtliche Leute, die sich ihre eigenen Kernel bauen (egal ob im Firmen- oder Privatumfeld)! Wen stört's schon, dass dadurch sämtliche "kleineren" Distributionen dadurch einen ganzen Arsch voll Mehrarbeit haben werden?

Sorry, aber vom "Community"-Gedanken bleibt dabei für mich nicht mehr allzu viel übrig.
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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by dodolin » 2004-07-23 10:44

Find ich jetzt nicht so schlimm.

a) Bei diversen anderen Projekten wie z.B. Exim funktioniert genau dieses Modell ebenso. Ok, ist jetzt nicht wirklich mit dem Kernel vergleichbar, aber trotzdem funktioniert es.

b) Ich denke, Linus und Andrew werden schon genug Ahnung und Verantwortungsgefühl haben, um im Einzelfall zu entscheiden, welche Features reinkommen und wann sie reinkommen. Ich bin überzeugt davon, dass sie ebenso wie alle anderen ein großes Interesse daran haben, dass der Kernel weiterhin relativ stabil läuft.

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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by floschi » 2004-07-23 10:48

CaptainCrunch wrote:Genau: sch... wir auf sämtliche Leute, die sich ihre eigenen Kernel bauen (egal ob im Firmen- oder Privatumfeld)! Wen stört's schon, dass dadurch sämtliche "kleineren" Distributionen dadurch einen ganzen Arsch voll Mehrarbeit haben werden?
Nö, wieso? Fakt ist doch, dass bereits jetzt jeder, der sich einen vom Standard abweichenden Kernel baut aktiv an der Entwicklung (durch sein Fehlerfeedback) mithilft - und das tut er jetzt im 2.6er Tree und eben nicht im 2.7er - sehe ich unproblematisch.

Und Mehrarbeit ist es bisher auch, da ich keine Distribution kenne, die sich nicht explizit um einen ihrer Meinung nach stabilen Kernel kümmert...

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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by andreask2 » 2004-07-23 18:09

Joe User wrote:Naja, wenn man es genauer betrachtet, sind alle Kernel >2.4.18 Spielwiesen ;) Linus und Andrew werden schon früh genug einen 2.7-Tree anlegen...
Naja, ob das dann so viel bringt:

Code: Select all

Andrew stated his willingness to consider, for example, four-level page tables, MODULE_PARM removal, API changes, and more. 2.7 will only be created when it becomes clear that there are sufficient patches which are truly disruptive enough to require it. When 2.7 *is* created, it could be highly experimental, and may turn out to be a throwaway tree.
http://kerneltrap.org/node/view/3513

Also ich finde diese Meldung wirklich bedenklich, ich hoffe dass die Gentoo-Devs einen ordentlichen Kernel bereitstellen werden, die gentoo-sources sind mir viel zu "vollgestopft", und bisher sollen die vanilla-sources eigentlich "die wahrscheinlich stabilsten Sourcen" sein...

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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by fritz » 2004-07-25 16:37

@CC, was den Community-Gedanken angeht:

Ich habe den Eindruck, seit Linux aus dem Nischendasein der Freaks und Hobbyprogrammierer zu einem kommerziell verwertbaren OS gewachsen ist, wird es den Weg aller Kuchen dieser Welt gehen, die geteilt und aufgegessen, neu gebacken mit revolutionären Rezepten, in einer unüberschaubaren Versionsvielfalt, jeder möchte ein Stück, jeder möchte satt werden, bis eines Tages wenige grosse (Bäckerei-)Konzern(e) bestimmen, was der Markt braucht, und was die Menschen (fr)essen sollen.
Die 'Windowszeit' wird im Vergleich dazu, eine überschaubare, kalkulierbare Zeiterscheinung gewesen sein.

Warum sollten die Menschen bei OS und Software eigentlich anders handeln, als bei der Herstellung von Artikeln des täglichen Bedarfs, Lebensmittelgewinnung, Umweltschutz usw

Der Linux-Tante-Emma-Laden ist nicht mehr 'zeitgemäß' :(

Trotzdem noch einen schönen Sonntag an alle hier!

Gruss Fritz

P.S. und wenn morgen die Sonne wieder scheint, denke ich auch wieder positiv! :wink:

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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by ffl » 2004-07-25 17:47

FULL ACK!

Super Posting.

OT: wie wäre es, ein Posting-Bewertungssystem a la Heise einzuführen?

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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by floschi » 2004-07-25 18:51

Nein, so krass sehe ich das nicht.

Der Kern des bekanntesten Open-Source Betriebssystems ist sicherlich ein wichtiger Bestandteil dessen, aber für viele steht der Gedanke der "freien Software" hinter ihrem Handeln. Und genau das ist der rießengroße Unterschied zu Produkten, die prinzipiell nur von Monopolisten vertrieben werden.

Es ist jedem möglich, _seinen_ Linuxkernel weiterzuführen und davon eine stabile Linie und eine Entwicklungslinie anzubieten. Wenn sich dafür genügend Leute finden...

Aber darum geht's doch gar nicht. Die Entwicklung des Kernels wird nur der realen Welt angeglichen, künftig bestimmt nicht der Maintainer was stabil ist, sondern diejenigen selbst, die den Kernel brauchen.

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Re: An die 2.6er-Kernelfreunde

Post by Joe User » 2004-07-25 20:58

Um noch etwas Benzin ins Feuer zu giessen:
Solange die Streitigkeiten mit SCO nicht gerichtlich beigelegt sind, ist es die einzig richtige Entscheidung, keinen 'neuen' Kernel zu entwickeln...
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