Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

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Joe User
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Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by Joe User » 2006-11-24 00:18

Moin,

irgendwie verstehe ich einige Debianer nicht: Auf der einen Seite wird grundsätzlich die Stabilität der ausgiebig getesteten (und daher oft auch veralteten) Pakete als wichtigstes Entscheidungskriterium pro Debian hervorgehoben und auf der anderen Seite werden selbst auf produktiven Systemen nahezu bedenkenlos 3rd-Party- und/oder unstabile Pakete installiert. Warum dann ausgerechnet Debian (so toll ist das Paketmanagment nun auch wieder nicht...) und nicht $Distribution?

Gruss,
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sledge0303
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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by sledge0303 » 2006-11-24 00:49

Moin,

schätze du spielt auf einem Beitrag von mir in diesem Thread an:
http://www.rootforum.org/forum/viewtopic.php?t=43603

Produktiv läuft bei mir nur stable, weil ich ja ein stabiles Debian haben möchte ;)
Auf meinem Testsystem zu Hause sind ebenfalls 2 stable Sarge installiert, auf einen ist Xen mit selbstkompilierten Kernel drauf gewesen, wo sich die Festplatte verabschiedet hatte. Da aber eine Präsentation anstand, das erneute kompilieren von Xen so kurzfristig nicht mehr hingehauen hätte, hab ich die Pakete aus Etch genommen ...
Sicherheitskopien von meinen Images eingespielt usw usf

Der Beitrag war mehr als kleines Howto für "Bastler" geplant. Werde noch einen kleinen Hinweis dazu im Thread verfassen.

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Joe User
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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by Joe User » 2006-11-24 01:33

sledge0303 wrote:schätze du spielt auf einem Beitrag von mir in diesem Thread an:
Nö, dieses Verhalten beobachte ich schon seit Jahren und es nimmt ständig zu. Offenbar setzen selbst ein paar Debian-Devs "unstable" produktiv ein, andernfalls würden sie keine inoffiziellen (3rd-Party) Backports bereitstellen und durch den scheinbar offiziellen Status (es sind schliesslich Debian-Devs) zu deren Installation animieren. Zum "Betatesten" können diese Backports ja nicht bestimmt sein, dafür gibt es schliesslich ganz offiziell testing/unstable...

Irgendwie ist das Alles etwas Merkwürdig...
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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by lucki2 » 2006-11-24 07:30

Ich finde es eher mutig unstable auf einem Server einzusetzen und denke Helden sterben früher. Testing - ok.

Allgemein ist es eher die Einfachheit und Klarheit von Debian, die mich überzeugt hat. Irgendwann fand ich, ich müsse mir das Leben nicht schwerer machen, als es ist. Mit Debian tue ich mir leichter.

Wenn ich hier höre "wird nicht mehr supported" denke ich: gut, daß mir das nicht passieren kann.

Ich stelle beliebige Debian Server zusammen, das Ding findet die Abhängigkeiten richtig und installiert die Sachen korrekt - mit updates. Das funktioniert mit 100 unterschiedlichen Servern ohne Quirks wenn es sein muß. Zieht von irgendwo immer die aktuellen Pakete runter - nach meiner Wahl.

Wenn es um mehrere Rechner geht, die geändert werden müssen: Paket rollen, das nur aus Abhängigkeiten und Konfigurationen besteht. Das installieren und die Rechner sind alle installiert und konfiguriert.

Mirror, rsync,ftp kann jeder auch debian. Gestern geschaut: in 5 min mit debmirror ein kompletter Spiegel hochgezogen, dann zuschauen, wie das arbeited und Pakete zieht - wieder von verschiedenen Quellen, wenn gewollt. Noch ein paar eigene Pakete dazu und clients ziehen sich automatisch die Pakete beim nächsten update und sind richtig Konfiguriert.

Selber compilieren(ähnlich gentoo emerge): "apt-get source -b" fertig.
Ok, mehr als nur compilersettings "apt-get source, ändern dpkg-buildpackage". fertig.

Kernel: ap-get kernelsource, auswählen patchen, make-kpkg, dpkg -i fertig.

Pakete sind klar und einfach aufgebaut. Aufmachen, reinschauen.

Debian ist ein guter Partner. Das ist mir sehr,sehr wichtig. Debian finde ich immer Ansprechpartner. Vielleicht erwische ich mal jemand falschen aber irgendwen interessiert das Problem(wenn es eines ist). Kein abwimmeln sondern eine Diskusion mit verschiedenen Ansichten und u.U. upstream kontaktiert und die Antwort weitergeleited. Damit kann ich es zur Not selber lösen und erkenne Probleme, auf die ich selber nie gekommen wäre.(Ich sage hier dazu, ich meine damit nicht: Fragen, wie das System zu benutzen ist - da hätten die viel zu tun ).

Kurz: ich habe einfach kaum Probleme oder bzw lösbare.

Das ist nur eine ehrliche Antwort auf die Frage ohne Anspruch, daß es allgemeingültig ist oder für jeden richtig sein soll. Jeder macht seine Erfahrungen und ich muß sagen, ich habe sehr gute Erfahrungen mit Debian gemacht und habe auch gerade keine Probleme. Es funktioniert für mich - es ist schön so etwas sagen zu können.

Auf andere Distributionen bin ich nicht eingegangen - das war auch nicht die Frage. Die haben sicher auch Vorteile.

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by captaincrunch » 2006-11-24 07:34

Dann wage ich mal die ganz gewagte These: Viele hier, die so einen lustigen Versionsmix fahren wissen eigentlich gar nicht, was sie da eigentlich anstellen.
Immerhin benötigt (Web-) Applikation XY ja $DB in Version >$Debian-Standard. :roll:

Weitere gewagte These: Genau diese Leute haben noch nichts davin gehört, dass sich auch Ubuntu extrem gut als ServerOS eignet. ;)
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echo "[q]sa[ln0=aln256%Pln256/snlbx]sb729901041524823122snlbxq"|dc

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by lucki2 » 2006-11-24 07:44

CaptainCrunch wrote: Immerhin benötigt (Web-) Applikation XY ja $DB in Version >$Debian-Standard. :roll:
Genau das löst eben das Paketmanagement extrem gut auf.
a) es geht ohne Probleme, dann muß das gehen.
b) es gibt Probleme, die unklug sind zu ignorieren, darf das nicht gehen.

Wenn Abhängigkeiten nicht so aufgelöst werden, ist das ein Bug. In dem Falle: Bugreport schreiben. Klare Sache.

Und Ubuntu, ja wenn das Deine Wahl ist - warum nicht?

PS: ich kenne das Problem im übrigen eher andersrum, dass Scripte irgendwann für php2 geschrieben wurden, auf php3 noch liefen und die Leute jammern weil das umschreiben wieder so viel Geld kostet ... der update vom Server ist das geringere.

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by chris76 » 2006-11-24 10:16

CaptainCrunch wrote: Weitere gewagte These: Genau diese Leute haben noch nichts davin gehört, dass sich auch Ubuntu extrem gut als ServerOS eignet. ;)
Als hier in der Firma laufen schon zwei ubuntu Server produktiv ;)
Gruß Christian

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by lucki2 » 2006-11-24 13:14

Sehr gut, einer der das mal benutzt.
Interessiert mich wirklich:
Wie sieht das mit dem Support aus. Machen die was für Ihr Geld oder ist das nach Motto: "Ja, das ist ein Bug, wir werden das weiterleiten. Danke. Tschüß"? WIe sieht es mit Upstreamakzeptanz aus?
Ist ein starkes Argument für Ubuntu eine Hotline zu haben, die wirklich innerhalb garantierter Zeit Antwort gibt. Auch, wenn die was kostet.

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by rootsvr » 2006-11-24 16:43

Ich benutze Debian stable, auch wenn ein paar Teile (php für fcgi, awstats mit Monatspatch, phpmyadmin oder Nagios am apt vorbei installiert wurden). Generell kann ich warten.. bald kommt Etch, da freu ich mich auf mysql5 und postfix 2.3 (vielleicht auch nen neueren SA, auch wenn bisher alles gut geht).

Alternativ überlege ich mal nen Ubuntu LTS auszuprobieren, sehe aber im Moment noch keinen Vorteil vom bewährten Debian stable wegzugehen..

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by r. u. serious » 2006-11-24 22:03

Joe User wrote:Warum dann ausgerechnet Debian (so toll ist das Paketmanagment nun auch wieder nicht...) und nicht $Distribution?
Die neuen Pakete die an Debian vorbei installiert werden, sind dann vermutlich häufig Software mit der man sich gut auskennt, und deren Entwicklung man verfolgt - im Problemfall kann man sich meist selber leicht helfen. Über alles übrige möchte man so wenig wie möglich nachdenken, und nimmt egal was, hauptsache komplikationslos zu warten und selten Probleme, und das sieht man dann eben in Debian stable erfüllt.

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by aquajo » 2006-11-24 22:38

Joe User wrote:Warum dann ausgerechnet Debian (so toll ist das Paketmanagment nun auch wieder nicht...) und nicht $Distribution?
Ich denke dafür gibt es die folgenden Gründe (die auch kombiniert auftreten können)

* man vermisst nur ein "Killerfeature", welches man sich per Backports holt, und von den man sich recht sicher ist die Auswirkungen absehen zu können und nutzt sonst die Stabilität und Bequemlichkeit von Debian (bei mir XEN3)
* Gewachsenes System, irgendwann kommt die Anforderung es muss unbeding auch PHP 5.x und Mysql 5.x laufen, und dieses und jenes. Und meistens ist es in der Situation dann leichter sowas noch eben "anzubauen" als alles neu zu machen.

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by lucki2 » 2006-11-25 02:59

Was mir gerade noch eingefiel als ich vorher einen anderen Thread ansah.

Wenn ich die "Killeranwendung"(eher ein feature) brauche, ist das erste: Bugreports schauen. Sehe dort bei einem Problem eine Diskussion. Relevante andere Pakete werden einbezogen. Oft meldet sich aus dem Nichts upstream mit einem Hinweis oder wird vom Maintainer kontaktiert und _die_Antwort_weitergegeben_. Vielleicht habe ich auch eine Rückfrage... Das ist die Performance, die ich mir wünsche. Das ist eine Basis um Entscheidungen zu treffen. U,u. auch zu entscheiden ein "Killerfeature" nicht zu nutzen, weil die Betonung mehr auf "kill" als auf "feature" liegt.

Ubuntu habe ich natürlich ein Auge. Da finde ich diese Performance nicht. Da gibts dieses Forum, das mir nicht hilft - das spielt in einer ganz anderen Liga. Dann hänge ich da mit einer Dist, wo ich, wenn ich ein Problem habe, alleine stehe.
Die Hotline habe ich nicht probiert, kann sein, daß die das raus reißt.

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Re: Warum wollen so viele Debian-User kein stabiles Debian?

Post by thorsten » 2006-11-26 20:21

gelöscht, da sich meine Meinung gendert hat
Last edited by thorsten on 2011-03-17 06:07, edited 1 time in total.