FreeBSD
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Worum es hier eigentlich geht
Wer sich mit Serveradministration und freien Betriebssystemen befasst, stolpert früher oder später zwangsläufig über FreeBSD. Seit seiner Geburt aus einer Patch-Sammlung für 386BSD im Jahre 1993 hat sich FreeBSD zu einem modernen Betriebssystem gemausert, das auf dem Desktop, insbesondere aber auf dem Server eine gute Figur macht.
Hier im Wiki möchte ich mit aufeinander aufbauenden HowTo's den Aufbau eines möglichen Rootserver-Setups beschreiben, das FreeBSD-typische Techniken wie Jails oder seit neuestem ZFS mit einbezieht – und natürlich soll das Thema Serversicherheit hierbei auch nicht zu kurz kommen. Allerdings ist Zeit ein Gut, von dem ich grundsätzlich viel zu wenig habe. Deshalb möchte ich um ein wenig Geduld bitten, wenn es mit einem Beitrag mal ein wenig länger dauert.
Worum es hier nicht geht
„Push it – don't hype.“ So lautet der Wahlspruch der BSD-Community, wenn es um's Marketing geht. Und das sollte man auch tunlichst beherzigen. FreeBSD auf den Rootserver zu packen, nur um cool zu sein ist definitiv keine gute Idee. Natürlich freue ich mich, wenn ich den einen oder anderen Leser dazu anregen kann, zu Hause auf einem Testsystem mit FreeBSD zu experimentieren. Auf ein Produktivsystem gehört FreeBSD erst dann, wenn umfassende Administrationskenntnisse vorhanden sind. Wer FreeBSD aus technischen Gründen auf seinem Server einsetzen möchte, kann hier sicherlich die ein oder andere Anregungen mitnehmen. Er wird aber auch feststellen, dass dazu einiges an Vorausplanung gehört, unter anderem das anmieten eines für dieses Vorhaben geeigneten Servers.
FreeBSD vs. Linux
FreeBSD ist mit Linux nicht verwand (im Sinne von gemeinsam verwendetem Code) und schon gar keine „Distribution“. FreeBSD ist ein Abkömmling von Berkeley Unix und wird seit 15 Jahren als eigenständiges Projekt entwickelt. Anders als bei Linux findet die Entwicklung an Kernel und Userland unter einem gemeinsamen Dach statt; ein Release schließt immer das komplette System mit ein. Zwischen den verschiedenen BSD-Systemen findet ein reger Code-Austausch statt – mit Linux oder den GNU Tools jedoch so gut wie gar nicht, da die unterschiedlichen Lizenzmodelle dies erschweren bzw. unmöglich machen. Anders als die für Linux verwendete GPL ist die BSD-Lizenz bzw. deren Derivate keine Copyleft-Lizenz und räumt damit wesentlich mehr Freiheiten in der Verwendung des Codes ein, auch für kommerzielle Zwecke.
Technisch unterscheiden sich beide Betriebssysteme ebenfalls in vielen Punkten. Das beginnt bei Partitionierung und Dateisystemen und geht über das Init-System und Jails bis hin zum Umgang mit Anwendungspaketen. Gerade letzteres ist für Linux-Kenner häufig sehr gewöhnungsbedürftig. Während alle mir bekannten Linux-Distributionen jeden Bestandteil des Systems als Paket (egal in welcher Form) handhaben, trennt FreeBSD zwischen Betriebssystem und Anwendungspaketen. Ersteres wird über Distribution Sets oder den Quellbaum verteilt und installiert, während Anwendungspakete über das Ports-System verwaltet werden. Derart entkoppelt kann man sich eine für Server attraktive Mixtur aus Legacy-Basissystem (der vorige Hauptversionszweig, der nur noch Bugfixes erfährt und als extrem stabil gilt) und brandaktuellen Anwendungen zusammenstellen.
Wer sich für eine detailliertere Auseinandersetzung mit den Unterschieden zwischen Linux und BSD interessiert, wird bei Matthew Fuller fündig.
Zu guter letzt soll nicht verschwiegen werden, dass es mittlerweile einige Linux-Distributionen gibt, die versuchen, den BSD-Stil in einigen Punkten zu kopieren (ArchLinux in puncto Init-System, Gentoo Linux mit seinem Paketverwaltungssystem). Umgekehrt gibt es auch Projekte, die sich zum Ziel gesetzt haben, FreeBSD (Kernel und Userland) mit einer Linux-liken Umgebung (Init-System etc.) zu versehen. Bekanntestes Beispiel hierfür dürfte das Gentoo/FreeBSD-Projekt sein.
Lesestoff
Da FreeBSD sehr gut dokumentiert ist, werde ich viele Dinge nur streifen oder als bekannt voraussetzen. Ich kann jedem FreeBSD-interessiert nur wärmstens empfehlen, das wirklich hervorragende FreeBSD-Handbuch in die Bookmarksammlung aufzunehmen – und natürlich rege Gebrauch davon zu machen. Auch die Online-Sammlung der Man Pages sollte jeder BSD-Freund griffbereit haben. Die Anschaffung eines gedruckten Buches kann ich hingegen nicht undbedingt empfehlen, da zumindest die derzeit verfügbaren deutschsprachigen Bücher entweder hoffnungslos veraltet oder qualitativ minderwertig sind.
Wiki-Artikel zu FreeBSD
- FreeBSD manuelle Installation beschreibt die manuelle Installation von FreeBSD, wie man sie etwa aus einem Rettungssystem heraus durchführen würde
- FreeBSD System einrichten befasst sich mit der Aktualisierung des Systems und den grundlegenden Konfigurationsarbeiten nach einer Installation
- FreeBSD Jail Infrastruktur erklärt den Aufbau eines Systems, das auf Jail-Massenhosting ausgelegt ist, ohne dabei den Wartungsaufwand explodieren zu lassen
- FreeBSD minimalistisches Jail erläutert, wie ein einzelner Dienst in ein äußerst minimalistisches Jail gesperrt werden kann